Wichtige Fragen zur Rosazea: Mehr als nur rote Wangen.

10. Mai 2019

Fragen zur Rosazea: Mehr als nur rote Wangen

Wer hat diesen Satz als Kind nicht gehört: „Du hast aber schöne rote Bäckchen!“ In der Tat gelten sanft gerötete Wangen als Inbegriff jugendlicher Frische und Gesundheit. Wenn wir angesichts eines Komplimentes rot anlaufen, wirkt das sogar charmant. Kurzum: Rote Wangen genießen einen guten Ruf. Wenn Ihre Rötungen aber immer stärker werden, sich sichtbare Äderchen im Gesicht zeigen und Sie nach dem Genuss von einem Glas Rotwein richtiggehend „glühen“, ist das nicht mehr normal. Eventuell verbirgt sich dahinter eine Rosazea, mitunter auch als „Kupferrose“ bezeichnet. 
 

Was genau ist eine Rosazea?

Bei der Rosazea handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Das bedeutet, dass sie einen langfristigen Verlauf nimmt. Zu Beginn der Erkrankung treten schubweise starke Rötungen auf, die durch bestimmte Trigger (z. B. scharfe Speisen) ausgelöst werden. Später verbleiben die roten Stellen dauerhaft. Evtl. kennen Sie jemanden, bei dem um die Nase herum kleine Äderchen zu sehen sind. Das ist ein weiteres Symptom der Rosazea. Im späteren Verlauf bildet sich bei Männern eine Knollennase (1). Die Haut blüht gewissermaßen auf. 
 

Wie entsteht eine Rosazea?

Die genauen Ursachen einer Rosazea sind bis heute unbekannt. Forscher vermuten, dass sich die Blutgefäße im Gesicht aus irgendeinem Grund stärker ausdehnen als bei gesunden Menschen. Verstärkt wird dieser Effekt durch verschiedene Auslöser, z. B. Hitze, Alkohol etc. Es gibt Hinweise darauf, dass auch Bakterien eine Rolle spielen. Dafür spricht, dass viele Patienten über eine Besserung berichten, nachdem sie Antibiotika eingenommen haben (2). Auch die Gene spielen neueren Forschungen zufolge eine wichtige Rolle (3).  

Welche Personen bekommen eine Rosazea?

Die Rosazea tritt zumeist in der zweiten Lebenshälfte auf. Beide Geschlechter sind in etwas gleich häufig betroffen, wobei der Verlauf bei Männern meist schwerer ist. Bestimmte Patienten sind häufiger betroffen, v. a. solche mit einem hohen Alkoholkonsum, Magen-Darm-Störungen und häufigem Kontakt zu Wind und Wetter (4). 

Welche Faktoren verschlimmern eine Rosazea?

Bestimmter Trigger verschlimmern die Beschwerden. Die Rötungen und das „Glühen“ im Gesicht verschlimmern sich durch folgende Faktoren:

  • Sonnenstrahlung
  • Scharfe Gewürze
  • Stress
  • Sport
  • Wind
  • Hitze (z. B. Sauna)
  • Heiße Getränke
  • Alkohol
  • Bestimmte Kosmetika (5)

Welche Beschwerden verursache eine Rosazea?

Die Beschwerden treten in verschiedenen Stadien auf. Ärzte unterscheiden die Stadien I bis IV (6). 
 

Rosazea: Stadium I

Patienten leiden unter anfallsartigen Rötungen im Gesicht (Flush), die für mehrere Stunden anhalten. Teilweise sind erweiterte Gefäße feststellbar (6). 
 

Rosazea: Stadium II

Zu den Beschwerden aus Stadium I kommen in den geröteten Bereichen Pusteln und Knötchen hinzu (6). 
 

Rosazea: Stadium III

Die Haut ist hierbei nicht mehr „nur“ gerötet und mit Pusteln/Knötchen übersäht, ab dem Stadium III ist die Gesichtshaut großflächig entzündet. Manche Patienten leiden unter Wassereinlagerungen im Gesicht (6). 
 

Rosazea: Stadium IV

Hierbei entsteht die typische Knollennase, die teilweise groteske Ausmaße annimmt. Manchmal tritt diese auf, ohne das weitere Rosazea-Symptome vorliegen (6).

Nur bei Männern tritt die typische Knollennase auf (7)!

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wenn Sie unter den genannten Symptomen leiden, gehen Sie zu Ihrem Hautarzt! Meistens stellt dieser die Diagnose anhand der typischen Hautveränderungen (7). Spezielle Laborwerte, die die Erkrankung bestätigen, gibt es nicht (8).

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Leider ist die Rosazea nicht heilbar. Sie können aber gemeinsam mit Ihrem Hautarzt viele Maßnahmen ergreifen, die eine deutliche Verbesserung erzielen.

Allgemeine Maßnahmen

Verzichten Sie möglichst konsequent auf alle oben genannten Auslöser. Achten Sie insbesondere bei der Hautpflege darauf, keine reizenden und alkoholhaltigen Produkte zu verwenden. Sonnenlicht verschlimmert die Symptome. Tragen Sie bei sonnigem Wetter unbedingt einen Lichtschutzfaktor auf (8).

Die äußerliche Therapie

Ihr Hautarzt wird Ihnen Salben bzw. Lotionen verschreiben, die Antibiotika enthalten. Tragen Sie diese genau nach Anweisung des Mediziners auf. Wichtig ist eine regelmäßige Anwendung. Alternativ empfehlen einige Ärzte auch teerartige Cremes, wie das bekannte Ichthyol (8).

Operative Maßnahmen

Gute Erfolge werden mit der Laser-Therapie erzielt. Mit dem gebündelten Licht werden starke Hautveränderungen abgemildert oder im Idealfall beseitigt. Eine weitere, aber ebenfalls erfolgreiche Methode ist die sogenannte Diathermie. Hierbei wird das veränderte Gewebe durch Hitze zerstört (8). 

Medikamente gegen Rosazea

Bei besonders ausgeprägtem Verlauf erzielen Antibiotika in Tablettenform große Erfolge. Sprechen die Patienten nicht ausreichend darauf an, erhalten diese eine Substanz namens Isotretinoin, ein Abkömmling von Vitamin A (8).

 

Referenzen 
(1) Hengge UR, Marini A. Spezielle Behandlungsoptionen mit topischem Tacrolimus: Taschenatlas spezial. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2007, Seite 24 ff. (link
(2) Tilgen W, Dill-Müller W, Koch P, U. Reinhold. Dermatologie: Empfehlungen zur Patienteninformation. Steinkopff-Verlag, Darmstadt, 2005, Seite 13 ff. (link)
(3) Rainer BM, Kang S, Chien AL. Rosacea: Epidemiology, pathogenesis, and treatment. Dermatoendocrinol. 2017; 9(1): e1361574. (link
(4) Fritsch P. Dermatologie und Venerologie: Lehrbuch und Atlas. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 1998, Seite 680 (link
(5) Ring F. Rosacea – Das hilft wirklich: Die erprobte 3-Raum-Methode gegen Rötungen, Pusteln und brennende Haut. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover, 2019, Seite 29
(6) Netter FH. NETTERs Dermatologie. 2. Auflage, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2010 (link)  
(7) Oestreicher E, Burk A, Burk R, Freudenberger T, Sökeland J. Krankheitslehre für Pflegeberufe: HNO, Augenheilkunde, Dermatologie und Urologie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2003, Seite 211 (link
(8) Abeck D. Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin: Klinik, Diagnose, Therapie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2011, Seite 87 (link)
(9) Altmeyer P. Dermatologische Differentialdiagnose: Der Weg zur klinischen Diagnose. Springer Medizin-Verlag, Heidelberg, 2007, Seite 682 (link