Abschwellendes Nasenspray nur kurz anwenden!

12. Juli 2019

Abschwellendes Nasenspray nur bei akutem Schnupfen

Ein abschwellendes Nasenspray lässt Sie selbst dann wieder durchatmen, wenn Ihre Nase völlig verstopft ist. Und nur dann sollten Sie es auch anwenden. Der Wirkstoff ist nur für eine kurzfristige Behandlung geeignet, da Ihre Nasenschleimhaut ansonsten ernsthaft geschädigt wird. Bei einer akuten Erkältung sind abschwellende Nasensprays aber durchaus sinnvoll: Wenn Sie wieder frei atmen können, schlafen Sie besser. Und Schlaf ist bekanntlich neben Lachen die beste Medizin. 

Bei starkem Schnupfen sind abschwellende Nasensprays das Mittel der Wahl. Der bekanntesten Wirkstoffe heißen Xylometazolin(hydrochlorid) und Oxymetazolin. Wenn Sie diese Substanz in Ihre Nase sprühen, verengen sich die Gefäße Ihrer Nasenschleimhaut. Diese ist bei einem Infekt stark angeschwollen. (1). Es ist ein tolles Gefühl, wenn Sie endlich wieder durchatmen kann. Vor allem können Sie besser schlafen, was gerade bei einem akuten Infekt die Heilung beschleunigt. 

Bei einer akuten Erkältung verbessert abschwellendes Nasenspray die Atmung. Die leichtere Atmung verbessert Ihren Schlaf. Guter Schlaf unterstützt die Heilung!

Langfristiger Einsatz schädigt Nasenschleimhaut

Abschwellende Nasensprays sind für eine kurzfristige Erkältung oder Nasennebenhöhlenentzündung gedacht. Sie verbessern die Nasenatmung und erleichtern den Sekret-Abfluss. Wenn Sie einen akuten Infekt mit Schnupfen haben, dürfen Sie Nasensprays vier bis sechsmal täglich anwenden (2). Jedoch sollten Sie diese nicht länger als fünf Tage benutzen (3). Ansonsten schädigen Sie Ihre Nasenschleimhaut dauerhaft. 

Die fünf größten Gefahren eines Nasenspray-Dauergebrauchs

Bereits nach drei Wochen treten die ersten Probleme auf. Hier stellen wir Ihnen die fünf größten Gefahren eines zu langen Nasenspray-Gebrauchs zusammen.

1. Nasenspray macht süchtig

Wie Sie erfahren haben, verengen abschwellende Nasensprays die Gefäße Ihrer Nasenschleimhaut. Dadurch wird diese weniger durchblutet und sie schwillt ab. Wenn die Wirkung nach ca. vier bis sechs Stunden nachlässt, tritt etwas ein, was Ärzte als „Rebound-Phänomen“ bezeichnen (4). Das bedeutet, dass sich die Nasenschleimhaut umso stärker mit Blut füllt und anschwillt, je häufiger Sie das Nasenspray verwenden (5). Sie benötigen immer mehr, weil sie immer mehr Schnupfen und Probleme mit der Nasenatmung haben. Der Weg in die Abhängigkeit beginnt. 

Die anfänglich abschwellende Wirkung von Nasenspray kehrt sich irgendwann ins Gegenteil um! Sie benötigen immer mehr, um eine freie Nase zu bekommen!

2. Ihre Nasenschleimhaut trocknet aus

Abschwellende Nasensprays trocknen bei langem Gebrauch Ihre Nasenschleimhaut aus. Das ist unangenehm und auf die Dauer auch schädlich, da die eigentlichen Funktionen – Reinigung und Anwärmen der Atemluft – nicht mehr richtig wahrgenommen werden können (6).

3. Der Geruchsinn nimmt ab

Durch einen regelmäßigen und langfristigen Gebrauch von abschwellendem Nasenspray lässt Ihr Geruchssinn nach, weil der Wirkstoff die lokale Funktion der Nasenschleimhaut und damit auch der Riechsinneszellen beeinträchtigt (7). 

4. Die Infektionsgefahr steigt langfristig

Sie wenden Nasenspray gegen eine Erkältung an? Das ist richtig – dafür ist es auch da! Ein langfristiger Gebrauch erhöht jedoch das Risiko von Infektionen der Nase. Durch die trockene und gereizte Schleimhaut erhöht sich die Gefahr einer Keimansiedlung und von Infektionen (8)

5. Es entsteht eine „Stinknase“

Die langfristige Anwendung von Nasenspray zerstört nach und nach die Nasenschleimhaut. Diese bildet sich immer mehr zurück, inklusive aller Immunzellen, Drüsen etc. HNO-Ärzte stellen bei der Untersuchung folgende Anzeichen fest:

  • Eingetrocknetes, zähes Sekret und Beläge
  • Schäden der Nasenschleimhaut
  • Infektionen
  • Abbau des Nasenbeins, der Nasenscheidewand und des Knorpels
  • Borken/Verkrustungen

Es entsteht ein süßlich-fauliger Geruch, weswegen Mediziner das Phänomen als „Stinknase“ bezeichnen (8). 

Vermeiden Sie eine Nasenspray-Sucht

Lassen Sie es keinesfalls soweit kommen, dass Sie von Nasenspray abhängig werden. Nutzen Sie es ohne schlechtes Gewissen bei einer Erkältung. Sobald Sie aber Anzeichen einer Abhängigkeit spüren, suchen Sie Ihren HNO-Arzt auf! Hinweise auf eine beginnende Nasenspray-Sucht sind:

  • Erstickungsangst
  • Herzrasen
  • Würgereflex (aufgrund der angeschwollenen Schleimhäute)
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen (9)

Das können Sie tun

  • Verdünnen Sie Ihr Nasenspray immer mehr mit Wasser
  • Sprühen Sie das abschwellende Nasenspray nur noch in ein Nasenloch (Ein-Loch-Methode)
  • Spülen Sie die Nase mit Salzwasser
  • Verwenden Sie im Anschluss an das abschwellende Nasenspray ein Meerwasser-Spray
  • Scheuen Sie im Zweifel nicht den Ganz zum Arzt!

 

 

(1) Götte K, Nicolai T. Pädiatrische HNO-Heilkunde. 2. Auflage, Elsevier GmbH, München, 2019, Seite 370 (link
(2) Herdegen T. Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013 (link)
(3) Goebeler M, Walter P, Westhofen M. Augenheilkunde, Dermatologie, HNO in 5 Tagen. 2., überarbeitete Auflage, Springer-Verlag, Berlin, 2018, Seite 390 (link
(4) Schwabe U, Paffrath D. Arzneiverordnungs-Report 2011. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg, 2011, Seite 862 (link)
(5) Dahler J, Teut M, Lucae C. Homöopathie bei Heuschnupfen. Hippokrates Verlag, Stuttgart, 2009, Seite 10 (link
(6) Medikamente im Test. Stiftung Warentest, 2017, Seite 197 (link
(7) Schuster N. Geruch und Geschmack: Arzneimittel als Störfaktoren. Pharmazeutische Zeitung (14.11.2016), Ausgabe 46/2016 (link
(8) Kroegel C. Costabel U. Klinische Pneumologie. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart, 2014, Seite 234 (link
(9) Amels O. (K)ein Leben ohne Nasenspray: Wege aus der Abhängigkeit. 3. Auflage, Books on Demand, 2015, Seite 15 (link)